Bildnis einer jungen Frau mit Nelke

Bartholomäus Bryun der Ältere war ein deutscher Maler der Renaissance und ist mit seiner Art der Portraitmalerei einer der bedeutensten Künstler des 16. Jahrhunderts. Er wurde 1493 geboren und verstarb 1555. Von Bryun existieren mehr Paarportraits als von anderen zeitgenössischen Malern, was ihn weiterhin besonders macht. Obwohl er ein sehr zurückgezogenes Leben führte und auch nicht für Fürstenhöfe malte, finden sich unter seinen Auftraggebern einige Holländer und in seinen Bildern erkennt man seine politische Haltung wieder: Bruyn stand in regelmäßigem Kontakt zu der Führungsschicht im Erzbistum Köln und im Herzogtum Jülich-Cleve-Berg. Damit auch zu den wichtigen Persönlichkeiten der an Erasmus von Rotterdam orientierten Reformbewegung im Land. Der Schwerpunkt seiner Kunden jedoch liegt bei Akademikern, Persönlichkeiten der Administration und der Wissenschaft – wobei besonders viele Juristen dabei sind. Seine Frauengemälde wirken etwas serienhaft, denn da es sich meistens um verheirartete Frauen handelt, tragen alle schwarze Kleidung und eine weiße Haube. Da er sein Leben in Köln verbrachte, sind sie meistens in eine Kölner Frauentracht gewandet, die ein hochgeschlossenes Kleid vorsieht und einen mütterlichen Stil hervorruft, der damals zum guten Ton einer Hausfrau gehörte. Eine Dame, die auch mal Dekoltee zeigt, ist ebenfalls nicht in jenem Stil vorgesehen, nur ein gstrenges, züchtiges Auftreten der Frauen. Es war gute Sitte, dass auf einem Portrait dieser Hausfrauen auch der Brautgürtel gut vor dem meist dunklen Hintergrund zu sehen war.

Ein kleines Bild des Original mit gekennzeichnetem Ausschnitt wird bald gezeigt werden.